Exkursionen

Europareise 2026 – JEF NRW im Baltikum

Mit Sicherheit Europa – Perspektiven aus dem Baltikum oder JEF NRW in Litauen und Lettland

„Die Sicherheit von Vilnius ist die Sicherheit von Berlin“ – diese nun im Rathaus von Vilnius eingravierten Worte von Bundeskanzler Friedrich Merz machen deutlich, dass den baltischen Staaten eine zunehmend zentrale Rolle in Europa zukommt.

Diese Bedeutung war Anlass genug sich ein Bild vor Ort zu machen. Das dachten sich zumindest die 21 (Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 34 Jahren) Teilnehmenden der diesjährigen Verbandsfahrt von JEF NRW, die zwischen dem 19. und 25.03. nach Vilnius und Riga führte.

Im Vorfeld der Reise hatten wir uns bereits mit Prof. Dr. Nerijus Maliukevicius, Universität Vilnius intensiv über russische Strategien der Desinformation in Litauen virtuell ausgetauscht. Dabei verwies Prof. Maliukevicius auf die historische Kontinuität sowjetischer/russischer Desinformation und das deren Bekämpfung eine ganzheitliche Strategie erfordert.

In Vilnius absolvierte die Gruppe ein intensives und vielseitiges Programm, in dessen Rahmen es zu einem Austausch mit Vertretern der Panzerbrigade 45 der Bundeswehr kam. Gegenstand der Diskussion waren die Herausforderungen beim Aufbau der Panzerbrigade, sowie deren Aufgabe, Selbstverständnis und Wahrnehmung durch die litauische Bevölkerung.

Ergänzend traf die Reisegruppe auch noch auf die Friedrich-Naumann-Stiftung und die NGO Civic Resilliance Initiative (CRI) um die gesellschaftlichen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf das Baltikum und die konkrete Ausgestaltung gesellschaftlicher Gegenmaßnahmen zu studieren. Besonderes Highlight war dabei eine kleine Ausstellung der Naumann-Stiftung, welche Teile einer Shahed-Drohne und einen Drohnensimulator beinhaltete.

Abgerundet wurde der Besuch in Vilnius durch einen Besuch des Seimas, des litauischen Parlaments und einer Stadtführung.

Nach einer waghalsigen Busfahrt ging es dann weiter nach Riga. Hierbei stand die historische Auseinandersetzung der baltischen Nationen um Freiheit im Mittelpunkt. Dabei waren der Besuch des Okkupationsmuseums und des Denkmals des ehemaligen Rigaer Ghettos erste Höhepunkte, die einen sehr guten Einblick in die lettische Erinnerungskultur zur Unterdrückung Lettlands durch Nationalsozialismus und Kommunismus boten.

Zentrales Element der Fahrt in Litauen war für uns die Vernetzung mit der JEF Latvia, einer der am schnellsten wachsenden JEF-Sektionen Europas. Nach einem Empfang in den Büros der lettischen JEF durch deren Vorsitzenden Visvaldis K. Berzins und International Officer Lesya Garjutkina wurden bei einem Ausflug zum Strand gemeinsame Herausforderungen und Erfahrungen in der Arbeit für ein föderalistisches Europa ausgetauscht.

Zum Abschluss der Fahrt gab es am Abreisetag nochmal zwei schöne Überraschungen. Kurzfristig konnten wir sowohl an einer Führung durch das lettische Parlament teilnehmen, als auch an einer Tour durch den Amtssitz des Erzbischofs von Riga. Danach ging es nach knapp einer Woche wieder zurück nach NRW. Jedoch wurde just an diesem Tag durch unbekannte (später als ukrainisch identifizierte) Drohnen im estnischen und lettischen Luftraum auch nochmal für uns sehr bildhaft deutlich, dass Krieg in Europa im Baltikum nochmal viel näher ist als bei uns in Deutschland.

Was bleibt danach festzustellen? Durch den langen Freiheitskampf und historische Erfahrungen können Litauen und Lettland auf einen anderen Erfahrungsschatz im Umgang mit Sicherheitsrisiken zurückgreifen. Dinge, wie Drohnenunterricht für Schüler oder die Wertschätzung der Präsenz von NATO-Truppen, sind hier viel normaler als bei uns. In geopolitisch stürmischen Zeiten können wir viel von den baltischen Staaten lernen; wie man mit neuen Bedrohungen umgeht. Denn eines ist uns klar geworden: Es gibt für Europa nur Sicherheit, wenn alle Staaten sicher sind.