Neueste Artikel

Gemeinsam gegen die letzte Diktatur Europas!

In Belarus kämpft eine mutige und geschlossene Opposition gegen den letzten Diktator Europas. Diese reagiert mit beispiellosen und kriminellen Verhaftungen – jüngst von dem Journalisten Roman Protasewitsch und seiner Freundin. Die EU stellt sich dem geschlossen entgegen, doch wir können noch mehr tun!

Es wirkt wie ein gewöhnlicher Sonntag, an dem Passagiere in einen gewöhnlichen Linienflug zwischen zwei europäischen Hauptstädten steigen. Kurz vor dem Ziel tauchen plötzlich Militärjets auf, die das Flugzeug zu einer Notlandung zwingen. Die Erklärungdafür ist zunächst eine Bombendrohung, die dazu führt, dass alle Passagiere zwar kontrolliert werden, aber anschließend dennoch weiterfliegen können. Alle bis auf zwei. Denn diese zwei werden, auf Wunsch des Diktators in dessen Flughafen die Notlandungstattfand, verhaftet. Nicht wegen der angeblichen Bombendrohung, sondern weil es sich bei einem von ihnen um einen der größten Feinde eben dieses Diktators handelt. Diezweite verhaftete Person ist seine Freundin. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war nichtsmehr an diesem Tag gewöhnlich. Es klingt wie eine Szene aus einem Hollywood-Actionfilm. Für Roman Protasewitsch und seine Freundin Sofia Sapega ist dies jedoch bittere Realität geworden.

Die letzte Diktatur Europas

Mit diesem kriminellen und beispiellosen Manöver, hat der belarussische Diktator Lukaschenko einender bekanntesten Oppositionellen seines Landes hinter Gitter gebracht. Seitdem sind nun schon fast zwei Wochen vergangen und beide befinden sich weiterhin in Haft. Unter welchen Bedingungen ist unbekannt. Bei den einzigen Lebenszeichen von Protasewitschhandelt es sich um ganz offensichtlich unter Zwang aufgenommene Videos, in denen einerder größten Kritiker Lukaschenkos im belarussischen Staatsfernsehen dessen Politik lobt. Diese gesamte Aktion ist eine weitere Bestätigung für die oft verwendete Aussage, dass Belarus die „letzte Diktatur Europas“ ist. Das wurde aber auch schon im vergangenen Sommer deutlich, als Lukaschenko mit Gewalt die Proteste niederschlug, die sich nachder offensichtlich manipulierten Wahl gebildet hatten.

Der Wille zum demokratischen Wandel

Seit nun mehr als 20 Jahrenklammert sich Lukaschenko an die Macht, obwohl er ursprünglich als Gegner von Korruption aufgetreten ist und Belarus zum damals erhofften Aufschwung, nach dem Zerfall der Sowjetunion, verhelfen wollte. Wie so oft bei autoritären Regierungschefs, fragtman sich, warum diese sich eigentlich so sehr vor demokratischen Wahlen fürchten, wennsie doch so überzeugt von sich, ihrem Führungsstil und ihrer Popularität sind. Im Fall von Belarus ist die Angst Lukaschenkos vor dem Machtverlust damit zu erklären,dass die Opposition dort immer größer und lauter wird. Früher oftmals uneinig, schafft es die Opposition sich immer mehr zu organisieren, was auch am absolut rücksichtslosen Umgang Lukaschenkos mit der Corona-Pandemie liegt. Während er die Verbreitung des Virus einfach nur leugnete, merkte das belarussische Volk nochmal deutlich, dass dieser Diktator nicht in ihrem Interesse handelt. So schaffte die zivile Hilfe, die sich dann während der Pandemie selbstständig organisiert hat, einen gewissen Zusammenhalt inder Opposition. Der Wille zum demokratischen Wandel wird in Belarus immer stärker.

Starke & geschlossene Reaktion der EU

Diese Opposition braucht unbedingt die Unterstützung ihrer europäischen Freunde. Denn wir teilen gemeinsam die Überzeugung, dass nur mit Werten wie Demokratie,Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der Menschenwürde, ein friedliches Zusammenlebenmöglich ist. Und tatsächlich zeigt die EU, die sonst außenpolitisch nicht immer zu einemgemeinsamen Standpunkt kommt, eine starke und geschlossene Reaktion auf dieseserneute Verbrechen Lukaschenkos. Die schnelle Erhebung neuer Sanktionen undVerurteilung der Ereignisse war eine wichtige Botschaft an alle beteiligten Parteien. AnLukaschenko, der fürchten muss, dass durch die Sanktionen seine letzten Unterstützerbald ohne ihn mehr gewinnen als mit ihm. An die russische Regierung, die als Unterstützerdes Diktators auf internationaler Bühne fast alleine dasteht und selbstverschuldet immerweiter ihre Beziehungen zum Westen verschlechtert. An die belarussische Opposition, diesich auf die EU als Verbündeten verlassen kann. Und vor allem an alle zu Unrechtinhaftierten Personen und deren Familien, die wissen, dass Europa hinter ihnen steht undimmer weiter Druck ausüben wird, um ihre Befreiung zu ermöglichen. Jedoch zeigt die Art und Weise der Entführung von Roman Protasewitsch und Sofia Sapega, dass der belarussische Diktator zum Äußersten bereit ist.

Keine Zusammenarbeit mehr!

Die europäischen Institutionen müssen alles dafür tun, damit es nicht zu weiteren Gewaltausbrüchen kommt. Das in Aussicht gestellte milliardenschwere Hilfspaket der EU, für einen Kurswechsel in Belarus hin zur Demokratie könnte ein erster Schritt sein, um einen gewaltfreien Wandelzu ermöglichen. Ein wichtiges Zeichen der Solidarität wäre auch die Einstellung der Zusammenarbeit europäischer Unternehmen mit belarussischen Staatsunternehmen. Undauch Organisationen, Stiftungen und Vereine, wie wir als Junge Europäische Föderalisten,müssen immer wieder auf die Situation der Inhaftierten in Belarus aufmerksam machen,vor allem dann, wenn das Thema in den Medien nicht mehr allzu präsent ist. So können die europäische Politik, die europäische Wirtschaft und die europäische Gesellschaftgemeinsam etwas zum demokratischen Wandel in Belarus beitragen. Denn wir lassen die Demokratie in Europa wie auch weltweit nicht im Regen stehen.Umgang Lukaschenkos mit der Corona-Pandemie liegt. Während er die Verbreitung desVirus einfach nur leugnete, merkte das belarussische Volk nochmal deutlich, dass dieserDiktator nicht in ihrem Interesse handelt. So schaffte die zivile Hilfe, die sich dannwährend der Pandemie selbstständig organisiert hat, einen gewissen Zusammenhalt inder Opposition. Der Wille zum demokratischen Wandel wird in Belarus immer stärker.Diese Opposition braucht unbedingt die Unterstützung ihrer europäischen Freunde. Dennwir teilen gemeinsam die Überzeugung, dass nur mit Werten wie Demokratie,Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der Menschenwürde, ein friedliches Zusammenlebenmöglich ist. Und tatsächlich zeigt die EU, die sonst außenpolitisch nicht immer zu einemgemeinsamen Standpunkt kommt, eine starke und geschlossene Reaktion auf dieseserneute Verbrechen Lukaschenkos. Die schnelle Erhebung neuer Sanktionen undVerurteilung der Ereignisse war eine wichtige Botschaft an alle beteiligten Parteien. AnLukaschenko, der fürchten muss, dass durch die Sanktionen seine letzten Unterstützerbald ohne ihn mehr gewinnen als mit ihm. An die russische Regierung, die als Unterstützerdes Diktators auf internationaler Bühne fast alleine dasteht und selbstverschuldet immerweiter ihre Beziehungen zum Westen verschlechtert. An die belarussische Opposition, diesich auf die EU als Verbündeten verlassen kann. Und vor allem an alle zu Unrechtinhaftierten Personen und deren Familien, die wissen, dass Europa hinter ihnen steht undimmer weiter Druck ausüben wird, um ihre Befreiung zu ermöglichen. Jedoch zeigt die Art und Weise der Entführung von Roman Protasewitsch und SofiaSapega, dass der belarussische Diktator zum Äußersten bereit ist. Die europäischenInstitutionen müssen alles dafür tun, damit es nicht zu weiteren Gewaltausbrüchen kommt.Das in Aussicht gestellte milliardenschwere Hilfspaket der EU, für einen Kurswechsel inBelarus hin zur Demokratie könnte ein erster Schritt sein, um einen gewaltfreien Wandelzu ermöglichen. Ein wichtiges Zeichen der Solidarität wäre auch die Einstellung derZusammenarbeit europäischer Unternehmen mit belarussischen Staatsunternehmen. Undauch Organisationen, Stiftungen und Vereine, wie wir als Junge Europäische Föderalisten,müssen immer wieder auf die Situation der Inhaftierten in Belarus aufmerksam machen,vor allem dann, wenn das Thema in den Medien nicht mehr allzu präsent ist. So könnendie europäische Politik, die europäische Wirtschaft und die europäische Gesellschaftgemeinsam etwas zum demokratischen Wandel in Belarus beitragen. Denn wir lassen dieDemokratie in Europa wie auch weltweit nicht im Regen stehen.

EU-Scotland Relations: Future Possibilities

Am 11. Mai, haben wir eine gemeinsame Online-Veranstaltung mit der YE Aberdeen (Schottland) zu den schottischen Parlamentswahlen, die am Anfang des Monats, am 06. Mai stattgefunden haben, veranstaltet. Ferner kamen wir auf die Folgen für die schottische Unabhängigkeit und das zukünftige Verhältnis zur EU zu sprechen. In einer ersten Kennenlernrunde tauschten wir uns über unsere Arbeitsbereiche und Pläne für die nächste Zeit aus. Danach testeten wir unser Wissen in einem kleinen Quiz über Schottland. – English version on next page –

In drei lebhaften Diskussionsrunden diskutierten wir über unsere Ansichten zum Brexit, zu den schottischen Wahlergebnissen und schließlich über die Folgen für die Unabhängigkeit Schottlands. In der ersten Runde zum Thema Brexit gingen wir auf die regionalen Abweichungen bei den Referendumsergebnissen in Schottland und Nordirland im Jahr 2016 ein (stärkere Mehrheit für “Remain”) und reflektierten über die Einschränkungen für Bereiche wie den Reiseverkehr, Handel oder den Wissenschaftsaustausch seit Inkrafttreten des Brexits zu Beginn dieses Jahres. Untermalt wurde die Runde durch persönliche Eindrücke von beiden Seiten zu den negativen, aber auch positiven Spielräumen, die sich daraus für die EU ergeben haben.

Ein neues Unabhängigkeitsreferandum nach der Wahl?

Als positive Aspekte wurde eine Rückbesinnung auf die Grundwerte der EU oder die Schubleistung für weitere Innovationen hin zu einer einheitlicheren “health oder “green” Union hervorgehoben. Im Zentrum des Gesprächs standen die Wahlergebnisse der schottischen Parlamentswahlen. Die Scottish National Party (SNP) mit ihrer Vorsitzenden, der ersten Ministerin Schottlands, Nicola Sturgeon, konnte insgesamt 64 Sitze auf sich vereinigen. Lediglich ein Sitz fehlte ihr zur absoluten Mehrheit. Einschätzungen des The National (17. Mai) zufolge wird die SNP fortan als Minderheitsregierung in Holyrood regieren. Es ist zu erwarten, dass das “historische” Wahlergebnis in Verbindung mit einer hohen Wahlbeteiligung als ein klares Mandat für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum (IndyRef 2) zu werten ist, das jedoch erst frühestens nach der Pandemie abgehalten werden kann. Im Zuge dessen hat der Prime Minister Boris Johnson veranlasst, einen Covid-Recovery-Gipfel für die dezentralisierten Nationen auszurichten. Im Kontext des Wahlausgangs tauschten wir uns weiter über unsere Perspektiven zur Selbstständigkeit Schottlands und einer möglichen Rückkehr in die EU aus. Zum Schluss kamen wir vor dem Hintergrund des jüngsten Urteils des deutschen Bundesverfassungsgerichts zum Klimarecht und der anstehenden Bundestagswahl im September 2021 auf die möglicherweise vereinigenden green paths beider Länder zu sprechen.

Wir danken allen, die dabei waren, für diesen in jeder Hinsicht bereichernden Austausch! See you soon!  

https://www.facebook.com/yemaberdeen/

Europa (grün) erleben

Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) setzen sich als gemeinnütziger Verein in Nordrhein Westfalen insbesondere für die Schaffung bzw. den Erhalt einer aktiven europäischen Zivilgesellschaft vor Ort ein.

Mit dem Projekt “Europa (grün) erleben” der JEF NRW e.V. in Kooperation mit der JEF Wuppertal wurde ein neues, niederschwelliges Format für die Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger geschaffen, welches einen besonderen Fokus auf die europäische Klima- und Umweltpolitik legt. Ziel des Projektes ist es, einerseits Europa und die Europäische Union fassbarer – erlebbarer – zu gestalten, andrerseits die Wichtigkeit einer gemeinsamen Klima- und Umweltpolitik in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Für “Europa (grün) erleben” haben die Jungen Europäischen Föderalisten Wuppertal 25 Europaflaggen und wasserfeste Stifte an verschiedenen grünen Orten in Wuppertal, darunter die Hardt, die Nordbahntrasse und den Mirker Hain aufgehangen. Jede Flagge ist dabei mit einem Infotext zu einem anderen Unterthema versehen . Insgesamt werden 5 verschiedene Unterthemen der europäischen Klima- und Umweltpolitik betrachtete und in einem kurzen Text darüber informiert. Die verschiedenen Unterthemen lauten „Umweltpolitik innerhalb der EU“, „Internationale Umweltpolitik der Europäischen Union“, „Der Europäische Grüne Deal“, „Das Europäische Klimagesetz“ und „Deutschlands Rolle im europäischen Klimaschutz“. An den Flaggen ist jeweils einer der wasserfesten Stifte befestigt, sodass Passant*innen ihre Ideen/Anregungen/Fragen direkt auf den Flaggen notieren können.

Dieses Format birgt drei große Vorteile: Erstens ist das Projekt unabhängig vom aktuellen Pandemiegeschehen durchzuführen, zweitens ist es ein sehr niederschwelliges Angebot für alle Altersklassen, welches sowohl das gezielte Suchen nach weiteren Flaggen als auch das zufällige Finden und Beantworten ermöglicht und drittens verbindet es den Austausch und das Nachdenken über Selbige und Ihre Klima- und Umweltpolitik mit den Wuppertaler Grünflächen. Das Projekt, welches seit dem 1. Mai und bis zum 9. Mai läuft, wird gut angenommen, viele Flaggen sind bereits mit Meinungen und Kritik beschriftet.

Dieses Projekt wird gefördert durch den Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eines der prämierten Projekte des Wettbewerbs Europawoche 2021: „EUnited – gemeinsame Vision für die Zukunft!“, deren Themen Europa solidarischer machen, Europa digitaler machen und Europa grüner machen sind.

Mütter Europas

Auch in der Geschichte der Europäischen Union sind Frauen oft weniger sichtbar als Männer. Die “Väter Europas” bekannter als unsere Mütter. Deshalb möchten wir an diesem Muttertag explizit den Müttern Europas Aufmerksamkeit schenken und stellen euch hier einige wenige Biografien vor.

Simone Veil

Als erste Frau die dem ersten direkt gewählten Europäischen Parlament 1979 – 1982 vorstand, prägte Simone Veil den Integrationsprozess der Europäischen Union aktiv mit. So gehörte die erste Frau an der Spitze einer EU-Institution, während Ihrer Zeit im EU-Parlament, verschiedenen wichtigen Ausschüssen für Umwelt, politische Angelegenheiten, auswärtige Angelegenheiten, Sicherheit und dem Unterausschuss für Menschenrechte an.

Überdies bekleidete sie den Vorsitz des Rechtsausschusses und gehörte dem Sonderausschuss zur Wiedervereinigung Deutschlands an. In ihrer politischen Arbeit, die darauf konzentriert war ein vereintes, starkes und vor allem friedliches Europa zu schaffen, gaben Ihr ihre Erfahrungen als Holocaust-Überlebende einen besonderen Fokus auf den Kampf gegen Antisemitismus und Frauenrechte. Für ihr unerbittliches Engagement für ein geeintes Europa wurde sie 1981 mit dem Karlspreis geehrt und ist neben vielen weiteren Ehrungen auch Trägerin der Auszeichnung Mérite Européen.
Simone Veil zeigte durch ihren frühen Leidensweg und ihr darauf folgendes Engagement für den europäischen Zusammenhalt, wie wertvoll die Europäische Union ist und wie wichtig der Kampf um ihre Werte ist und immer sein wird.

Nicole Fontaine

Nicole Fontaine war eine der entscheidenenden Personen auf dem Weg zu einer Charta der Grundrechte für die EU. Sie setze sich grundsätzlich für eine EU ein, die nah an der Bürger:innen ist. Im Dezember 2000 wurden ihre Bemühungen schließlich belohnt und sie durfte als damalige Präsidentin des Europäischen Parlamentes die Charter der Grundrechte im Namen des Europäischen Parlamentes unterschreiben.

Neben ihrem Einsatz für die Rechte der europäischen Bürger:innen bemühte sich Nicole Fontaine unermüdlich um Dialog und Frieden in äußeren Angelegenheiten und erreichte so beispielsweise einen historischen Handschlag zwischen den Präsidenten des israelischen und des palästinensischen Parlaments in 2000 in Straßburg. Gerade in den heutigen Zeiten, in denen Politik immer polarisierter zu werden scheint, ist es inspirierend sich an eine vermittelnde Persönlichkeit wie Nicole Fontaine zurückzuerinnern, die immer auf eine gemeinsame Lösung bedacht war und es häufig schaffte scheinbar unvereinbare Positionen an einen Tisch zu bringen.

Anna Lindh

Ylva Anna Maria Lindh trat bereits mit zwölf der sozialdemokratischen Jugend bei. Nach ihrem Jurastudium zog sie 1982 in den schwedischen Reichstag ein und wurde 1984 als erste Frau Vorsitzende des Jugendverbands der schwedischen Sozialdemokraten. 1998 wurde sie schwedische Außenministerin und trug maßgeblich dazu bei, die Rolle Schwedens innerhalb der Europäischen Union zu gestalten.

Als amtierende Ratsvorsitzende brachte sie 2001 die EU außenpolitisch auf eine Linie und half so, einen drohenden Bürgerkrieg im heutigen Nordmazedonien zu vermeiden. 2003 setzte sie sich für ein Ja in der schwedischen Volksabstimmung über die Einführung des Euro ein. Kurz vor der Abstimmung wurde sie von einem Angreifer niedergestochen und starb. Anna Lindh war bekannt für ihre direkte Art; sie zögerte nicht, in Menschenrechtsfragen offen Kritik an anderen Ländern, auch Verbündeten Schwedens, zu üben. Sie war während ihrer gesamten politischen Laufbahn eine überzeugte Europäerin.

Marga Klompé

Die Naturwissenschaftlerin und Lehrerin Marga Klompé ist zu Beginn der niederländischen Besetzung dem Widerstand als Kurierin für den Widerstandskämpfer Erzbischof Jan de Jong beigetreten. Sie erhielt 1948 einen Sitz im niederländischen Parlament und nahm an den Verhandlungen zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen teil. 1952 wurde Klompé das erste weibliche Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, Vorläuferorganisation des Europäischen Parlaments.

Marga war von 1956 bis 1963 niederländische Arbeits- und Sozialministerin und damit das erste weibliche Regierungsmitglied in den Niederlanden. Für Marga Klompé war es selbstverständlich, dass eine Funktion prinzipiell genauso gut von einem Mann wie von einer Frau ausgefüllt werden konnte. Einer ihrer größten Erfolge war die Einführung eines allgemeinen Sozialhilfegesetzes.

Mehr zu den Pionierinnen der Europäischen Geschichte hat letztes Jahr treffpunkteuropa bei der EuropeanHerStory vorgestellt.

Quellen:
https://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-wissen/personen/margaklompe.shtml
https://www.tagesspiegel.de/kultur/aufloesung-des-osterraetsels-2015-grosse-europaeer-und-europaeerinnen/12017816.html
https://europa.eu/european-union/about-eu/history/eu-pioneers_de

Bildrechte:
Anna Lindh & Nicole Fontaine: European Union 2019
Marga Klompé: By Collectie SPAARNESTAD PHOTO/Henk Blansjaar, CC BY-SA 3.0 nl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11485562
Simone Veil: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

Seid die Stimme der deutsch-französischen Jugend! Soyez la voix des jeunes franco-allemande!

Eure Unterstützung ist gefragt! Ihr setzt euch für mehr politische Teilhabe junger Menschen an der EU ein? Dann würden wir uns sehr freuen, wenn ihr hier an der Umfrage des Projektes „Voix franco-allemandes de la jeunesse / Deutsch-französische Stimmen der Jugend“ teilnehmt!

Das Projekt ist eine Initiative der jungen Zivilgesellschaft Deutschlands und Frankreichs unter der Schirmherrschaft der deutsch-französischen Freundschaftsgruppen der Assemblée Nationale und des Bundestages und unter der gemeinsamen Schirmherrschaft ihrer Präsidenten Gunther Krichbaum und Christophe Arend. 

Das Projekt wird getragen von über 50 engagierten Proeuropäer*innen, die unterschiedliche Profile aufweisen – Unternehmer*innen, Studierende, Berufstätige, Künstler*innen, Journalist*innen, etc. – und an der Umsetzung aktiv mitarbeiten. Unser Ziel ist es, die Meinung junger Menschen der beiden Länder möglichst repräsentativ abzubilden und auf dieser Grundlage mit privaten Akteur*innen und auch öffentlichen Akteur*innen konkrete Forderungen zu erarbeiten.  Dafür haben wir unter der Schirmherrschaft der deutsch-französischen Freundschaftsgruppen der beiden Parlamente und ihrer Präsidenten, Gunter Krichbaum und Christoph Arend, eine Meinungsumfrage ausgearbeitet, die an eine größtmögliche Anzahl junger Bürgerinnen und Bürger in Frankreich und Deutschland verteilt und von diesen ausgefüllt werden soll – in der ersten Woche haben bereits über 500 Menschen teilgenommen. Themen dieser – für drei Monate geplanten – Umfrage sind insbesondere die Wirtschafts- und Währungspolitik, die Ökologische Transformation, die Europäische Union in der Welt sowie die Europäische Identität und Fragen der Bildung. Die Ergebnisse dieser Konsultation werden gemeinsam mit Expert*innen verschiedenster Fachrichtungen diskutiert, dessen Erkenntnisse wiederum in einer umfassenden Broschüre kanalisiert und als Grundlage für unsere weitere Arbeit dienen. Dadurch ermöglichen wir nicht nur einen – in dieser Form nie dagewesenen – Diskurs, sondern auch mehr Beteiligung von Bürger*innen an politischer Entscheidungsfindung.

Unser binationaler Ansatz orientiert sich an den großen Herausforderungen unserer Zeit, die nicht durch Nationalstaaten allein wirksam adressiert werden können. Vielmehr ist dafür internationale Kooperation notwendig, wobei Frankreich und Deutschland dabei innerhalb der EU eine Schlüsselrolle zukommt, auf einen Konsens der Mitgliedstaaten und ein vereintes Europa hinzuarbeiten. Daneben halten wir es gerade auch angesichts der beachtlichen historischen Entwicklung des Verhältnisses der beiden Staaten von einer „Erbfeindschaft“ zu einer engen Freundschaft für unabdingbar, für die Errungenschaften eben dieses Prozesses einzustehen und die Beziehungen der beiden Länder zu fördern. Allerdings leben wir in Zeiten einer zunehmenden Polarisierung der öffentlichen Debatte und Uneinigkeit innerhalb der EU, die durch die Corona-Krise noch einmal besonders deutlich wird. Deshalb sehen wir es als beachtliche Chance, nicht nur den Stimmen der Jugend Ausdruck zu verleihen, sondern auch für Frankreich und Deutschland als Initiatoren einer progressiven Politik voranzugehen. 

Dieses Anliegen wird ohne jeden Zweifel auch von der JEF geteilt: Zunächst ebnete die Annäherung Deutschlands und Frankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg den Weg zur gesamteuropäischen Einigung, die das erklärte Ziel der JEF darstellt. So kommt dem „deutsch-französischen“ Motor eine Schlüsselrolle innerhalb der Europäischen Union zu, auf den viele weitreichende Integrationsschritte zurückzuführen sind. Darüber hinaus ist es den Jungen Europäischen Föderalist*innen inhärent, sich für mehr politische Teilhabe – gerade auch von jungen Menschen – an den Entscheidungsprozessen der manchmal als doch so fern empfundenen EU einzusetzen. Genau darauf, einen Diskurs zwischen Bürger*innen und Politik zu schaffen, zielt das Projekt ab. Je mehr Personen an der Umfrage teilnehmen, desto mehr Aussagekraft besitzt sie und desto mehr Einfluss können wir die, die deutsch-französische Jugend, auf Entscheidungsträger*innen ausüben. Verleiht diesem Ansinnen eine Stimme – „Soyez les voix franco-allemandes de la jeunesse“!

Documentary Night: Democracy under Pressure

In der Documentary Night befassten wir uns mit dem sensiblen geopolitischen Machtgefüge, den revolutionären Potenzialen der rot-weißen Bewegung und diskutierten mögliche Wege des europäischen Einflusses.

In der Documentary Night: Democracy under Pressure haben sich die Kreisverbände Bonn, Düsseldorf/Duisburg und Wuppertal gertoffen, sich gemeinsam eine Dokumentation über die politische Lage in Belarus angeschaut und im Anschluss digital darüber debattiert. Besonders hat uns dabei gefreut, dass wir auch Personen erreicht haben, die nicht in unseren Kreisverbänden Mitglieder sind und wir einen guten inhaltlichen Austausch hatten.

Inhaltliche Zusammenfassung und Hintergründe:

Seit mittlerweile 30 Jahren wird Belarus vom “letzten Diktator Europas” Alexander Lukaschenko regiert. Seit der wahlmanipulierten Präsidentschaftswahl 2020, der Eruption der Massenproteste und ihrer gewaltsamen Niederschlagung mit der Anwendung brutaler Polizeigewalt, Inhaftierungen und Folter wird der belarussische Diktator von der EU nicht weiter als legitimes Staatsoberhaupt anerkannt. Inzwischen hat sich die Revolution größtenteils von den Straßen Minsks in das litauische Exil, die Hauptstadt Vilnius, verlagert. Nachdem die meisten männlichen Vertreter der Bewegung inhaftiert wurden, trägt die Revolution ein weibliches Gesicht. In der sogenannten Vilnius-Gruppe kämpfen die berühmte Revolutionskämpferin Swetlana Tichanowskaja und ihre mitstreitenden Dissident*innen. Viele von ihnen studieren an der belarussischen Exil-Universität “Europäischen Humanitären Universität” (EHU), die von der Europäischen Union, darunter auch Deutschland, finanziell unterstützt wird. Sie ist ein Versammlungsort der jungen akademischen Diaspora, die vom Exil aus geschützter und effektiver mobilisieren kann. Ihnen wird nun jedoch die Rückreise in ihr Land verwehrt: Die Westgrenze zu Polen, der Ukraine und Litauen ist geschlossen. Der Weg zurück führt fast schon “symbolisch” über Russland. Wie auch in der Ukraine-Frage befindet sich Belarus im Vorgarten des ehemaligen Sowjetreichs am Scheideweg zwischen der EU und Russland.

„(…) the goal of the annual “Democracy under pressure” campaign is to draw attention to the systematic weakening of democratic values, to raise awareness about the situation in several European countries, as well as to show solidarity within our own JEF family“. JEF Europe

Die Kampagne Democracy under Pressure wird von Kreisverbänden vor Ort aufgegriffen und in Aktionen wie dem Verhüllen von Statuen, Straßenaktionen oder Infoveranstaltungen umgesetzt. Es geht darum, auf Missstände aufmerksam zu machen und Menschen- sowie Bürgerrechte einzufordern.

Pressemitteilung: Aktion Demokratie in Belarus

Die Jungen Europäische Föderalisten (JEF) Münster haben am Donnerstag, den 25.03.2021, eine Mahnwache vor dem Rathaus in Münster abgehalten, um sich mit der belarussischen Demokratiebewegung zu solidarisieren. In den Abendstunden ließen sie das Münsteraner Rathaus mit Unterstützung von Oberbürgermeister Markus Lewe und dem Büro Internationales der Stadt Münster in den Farben der demokratischen Opposition weiß-rot-weiß aufleuchten.

„Der 25. März ist der inoffizielle Tag der Freiheit in Belarus, der jährlich von der demokratischen Opposition gefeiertwird“, erklärt Markus Tichy, Vorsitzender des pro-europäischen Verbands in Münster.  In diesem Jahr hat er eine besondere Bedeutung. Denn bereits seit über sechs Monaten dauern die Proteste der belarussischen Bevölkerung gegen die undemokratischen Wahlen vom 9. August 2020 und die angebliche Wiederwahl von Alexander Lukaschenko an, der sich seit 1994 an der Macht hält. „Diese Proteste führten zu massiven Repressalien, zahlreichen Verhaftungen von Demonstrant:innen und Journalist:innen und auch dazu, dass oppositionelle Politiker:innen aus dem Land fliehen mussten“ fügt Tichy hinzu. „Dem wollen wir uns als JEF klar entgegenstellen und auch hier in Münster unsere Unterstützung für die Anliegen der demokratischen Opposition signalisieren – als rot weiße, nicht zu übersehende Botschaft auf dem historischen Rathaus!“


Europäische Union setzte bereits Zeichen für die Opposition

Die Europäische Union hat bereits klar gemacht, dass sie die vergangenen Wahlen nicht anerkennt und dem Regime Lukaschenkos Sanktionen auferlegt. Das Europäische Parlament hat weiterhin der belarussischen Opposition den Sacharow-Preis für geistige Freiheit verliehen. „Zu ihren Ehren forderten wir europaweit Städte und Gemeinden auf, in Weiß und Rot zu leuchten, den Farben des demokratischen Belarus“, erläutert Co-Vorsitzender Leonard Mühlenweg. „Mit unserer Beleuchtung hat sich nun auch Münster am belarussischen Tag der Freiheit an dieser Aktion beteiligt. Wir möchten deshalb Markus Lewe und der Stadt Münster ganz herzlich danken, dass sie dieses wichtige Zeichen ermöglicht haben!“

JEF-Kampagne fordert mehr Demokratie in ganz Europa

Die europaweit ausgerufene Aktionist eingebettet in die Kampagne „Democracy under Pressure“, mit der die JEF als Jugendverband seit 2006 jedes Jahr im März aufmerksam auf rechtsstaatliche Rückschritte auf dem europäischen Kontinent macht. Die Kampagne wirft ein besonderes Augenmerk auf die Situation der Demokratien in Europa und die vielen Herausforderungen, der sie momentan gegenüberstehen. Insbesondere ist es Ziel der Kampagne, zu beleuchten, dass uns nicht nur in Belarus, sondern auch inmitten der Europäischen Union vermehrt illiberale, nationalistische und autoritäre Strömungen begegnen. Demokratische Grundrechte wie die Presse-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sowie Grundprinzipien wie die Unabhängigkeit der Justiz und die Rechtsstaatlichkeit stehen in einigen EU-Mitgliedstaaten immer weiter unter Beschuss.

Blick zurück: der Black History Month

Wir als JEF NRW und JEF Bremen haben den Februar 2021 ganz dem Thema Black History Month gewidmet.

Was ist der Black History Month?

Der Black History Month kommt ursprünglich aus den USA. Als Begründer gilt Dr. Carter G. Woodson, der die “Organisation für die Studien von Afro-Amerikanischen Leben und Geschichte” 1915 gegründet hat. Mit dieser Organisation sollte aufgearbeitet werden, was bisher vernachlässigt wurde: die Geschichte der Afro-Amerikanischen Bürger*innen in den USA.

Die erste Woche, die sich diesem Thema widmete, initiierte Dr. Woodson 1926. Sie fand im Februar statt, weil dort sowohl der Geburtstag von Abraham Lincoln, als auch Frederick Douglass waren. Beide sind zwei zentrale Persönlichkeiten in der Geschichte der Afro-Amerikaner*innen in den USA. So entfloh Douglass selbst der Sklaverei, setzte sich sein Leben lang für die Abschaffung der Sklaverei ein und war einer der einflussreichsten Anführer der Bürgerrechtsbewegung. Lincoln unterzeichnete in den 60er Jahren die Emanzipationsproklamation, die zur Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten führte.

Im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren wurde aus der Woche schließlich ein Monat. Doch der Black History Month wird nicht nur in den USA sondern mittlerweile in vielen Ländern der Welt durchgeführt. In Deutschland wurde der Black History Month zum ersten Mal von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland eingebracht, die sich für die Interessen Schwarzer Menschen in Deutschland einsetzen und gegen Rassismus kämpft.  

Auch wir als JEF NRW & JEF Bremen wollten den Februar diesem wichtigen Thema widmen und uns mit der europäischen Kolonialgeschichte auseinandersetzen. Dafür haben wir Informationen aufbereitet & geteilt, ein Quiz zur Europäischen Kolonialgeschichte veranstaltet, sowie uns in unserem Lesekreis mit diesem Thema beschäftigt. Für uns ist die Auseinandersetzung mit diesem Thema zentral, um das Bewusstsein für strukturellen Rassismus gegen BIPoC zu stärken. Wir wollten uns besonders mit der Geschichte der europäischen Kolonialisierung beschäftigen, um zu verstehen, wo der heutige strukturelle Rassismus herkommt und um aus der Vergangenheit zu lernen, damit wir einen Beitrag dazu leisten können, gegen strukturellen Rassismus in der heutigen Zeit zu kämpfen. 

Dazu möchten wir zum Abschluss einige Persönlichkeiten vorstellen, die sich in ihrem Leben mit den Auswirkungen der europäischen Kolonialgeschichte beschäftigen oder sich damit beschäftigt haben: 

Pionier*innen 

May Ayim 
blues in Schwarzweiß 

während noch immer und schon wieder 
die einen
zerstückelt und verteilt und vertrieben werden die 
einen die immer die anderen sind und waren und bleiben sollen erklären sich die 
eigentlich anderen noch immer und schon 
wieder zu den einzig wahren 
erklären uns die eigentlich anderen: noch immer und schon wieder den krieg 

es ist ein blues in Schwarzweiß 
1/3 der welt 
zertanzt die anderen 
2/3 sie feiern in weiß 
wir trauern in Schwarz 
[...]

May Ayim wurde als Sylvia Andler 1960 (3. Mai 1960 in Hamburg – 9. August 1996 in Berlin) in Hamburg geboren. Ihre Eltern, die Deutsche Ursula Andler und der ghanaische Medizinstudent Emmanuel Ayim waren unverheiratet. May Ayim war eine deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung.

Die Schriften von Autorinnen wie Ayim, die außerhalb der Gesellschaft stehen, tragen zu reichhaltigen und neuen Perspektiven in der deutschen Literatur und der deutschen Diskussion über Race bei. Sie besitzen einen ganz eigenen Standpunkt gegenüber der Gesellschaft und dies macht diese Arbeiten so unverzichtbar.

Katharina Oguntoye (geboren am 21. Januar 1959 in Zwickau). Katharina Oguntoye wuchs in Leipzig, Heidelberg und in Nigeria auf. Ihre Mutter lernte nach Aussagen Oguntoyes ihren Vater an der Universität Leipzig kennen, der dort mit Hilfe eines Stipendiums der DDR studierte. Katharina Oguntoye spielte von Beginn an eine wichtige Rolle in der afrodeutschen Bewegung. Sie lebt in Berlin. Katharina Oguntoye ist eine deutsche Schriftstellerin, Historikerin, Aktivistin und Dichterin. Besondere Bekanntheit erlangte sie durch die Mitherausgabe des Buches Farbe bekennen mit May Ayim (damals May Opitz) und Dagmar Schultz.

Oguntoye war Mitbegründerin der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und der afrodeutschen Frauengruppe ADEFRA. 1997 gründete sie darüber hinaus das interkulturelle Netzwerk Joliba e. V., das vor allem Familien afrikanischer, afrodeutscher und afroamerikanischer Herkunft Angebote macht.

Anton Wilhelm Amo, auch bekannt als Antonius Guilielmus Amo Afer ab Aximo in Guinea (* um 1703 in Nkubeam bei Axim, heute Ghana; † nach 1753 vermutlich im heutigen Ghana, laut Grabstein bei Shama † 1784), war der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland. Er stellte die Ungleichheit von schwarzen Europäern in Frage und gilt als ein Vordenker des Antirassismus. Amo wurde als Kind versklavt und von der Niederländisch-Westindischen Gesellschaft (niederländisch Geoctroyeerde West-Indische Compagnie, häufig kurz WIC) nach Amsterdam verschleppt. Von dort wurde er an Anton Ulrich von Braunschweig und Lüneburg-Wolfenbüttel „verschenkt“, der ihn als „Kammermohren“ an seinen Sohn August Wilhelm „weitervererbte“. 

Seit 1994 erinnert die Universität Halle alljährlich mit dem Anton-Wilhelm-Amo-Preis an Deutschlands ersten schwarzen Philosophen. 

EU-Abgeordnete

Alice Bah Kuhnke 

“The EU must show solidarity with the massive anti-racist protests all over the world, and condemn racism and police brutality everywhere. The protests against racism have given us a real opportunity for genuine change. Racism isn’t isolated to the US, it exists in Europe and worldwide. The EU still lacks legislation on anti-discrimination outside the workspace.” 

Alice Bah Kuhnke ist Mitglied des 9. Europäischen Parlaments seit 2019, als Teil der Fraktion Die Grünen/ EFA, sie ist deren stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie trat auch dem Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres und dem Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter bei. Zusätzlich zu ihren Ausschussaufgaben ist sie Mitglied der Interfraktionellen Arbeitsgruppe des Europäischen Parlaments für LGBT-Rechte. Zudem ist sie schwedische Journalistin und Politikerin bei den Grünen (Miljöpartiet de Gröna). 

Ein sehr empfehlenswerter Artikel von ihr:

Parliament must vote for clear stance against racism | Greens/EFA (greens-efa.eu)

Maurice Ponga

Maurice Ponga ist EU Abgeordneter, geboren am 05.06.1947 Kouaoua (Nouvelle-Calédonie). Er vertritt im EU parlament die Frankreich im EU Parlament und gehört der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) an. Wichtig ist Ponga derzeit das erste “Forum für Europas Regionen in äußerster Randlage”, wo besprochen wird, wie die EU ihre territorialen Ausleger wirtschaftlich unterstützen will. 

“Die EU leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung, zum Handel und zur Sicherheit Afrikas, aber sie muss auch weiterhin investieren, insbesondere in die Bildung, um den jungen Generationen Perspektiven zu bieten. Unsere Zukunft und die Zukunft Afrikas sind eng miteinander verknüpft, deshalb müssen wir gemeinsam handeln.” 

Maurice Ponga

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana 

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana ist Abgeordnete des Europäischen Parlaments für die Grünen/EFA und Ko-Präsidentin der der Anti-Racism and Diversity Intergroup des Europäischen Parlaments (ARDI). Zudem ist sie erste stellvertretende Vorsitzende des Entwicklungsausschusses (DEVE) und Mitglied der Delegation für die Beziehungen zum Panafrikansichen Parlament (DPAP), sowie bei der Delegation im Parlamentarischen Ausschuss Cariforum-EU (DCAR). Cariforum bezeichnet Länder des karibischen Raums.

“Ich arbeite nicht zuletzt für das Ziel, dass Frauen verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Alters den Sprung in die Politik wagen, denn Vielfalt bleibt ein leeres Wort, solange nicht alle sichtbaren Minderheiten in den politischen Gremien vertreten sind.” 

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana

Sie schreibt über sich selbst: „Als Schwarze Frau, als Politikerin, als Lehrerin, als Mutter und als Aktivistin arbeite und lebe ich dafür, gleichberechtige menschliche Beziehungen, Dialoge und Zusammenarbeit überall dort möglich zu machen, wo dies noch nicht möglich ist.“  

Forschungsperspektiven  

Gayatri Spivak

“Between patriarchy and imperialism, subject-constitution and object-formation, the figure of the woman disappears, not into a pristine nothingness, but into a violent shuttling which is the displaced figuration of the “third-world woman” caught between tradition and modernization.”

Gayatri Chakravorty Spivak, Can the subaltern speak?

Gayatri Chakravorty Spivak gilt als eine der Gründungsfiguren des postkolonialen Feminismus. Spivak forscht besonders zu der Schnittstelle von Geschlechterdifferenz, race und Klasse. Ihr bekanntester Essay heißt „Can the Subaltern Speak?“ (1988), indem sie „anhand des Verbots der Witwenverbrennung durch die englische Kolonialverwaltung“ zeigt, dass „die Witwen weder von den Engländern noch von den indischen Eliten in angemessener Weise repräsentiert wurden. Beide Seiten maßten sich an, für diese Frauen sprechen zu können.“ Ihre postkolonialen Ansätze gehören mittlerweile zur den Grundlagentexten der Geschlechterforschung.

Chandra Talpade Mohanty

„Chandra Talpade Mohanty gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen postkolonialen Wissenscha­ftlerinnen und Aktivistinnen. Sie versteht sich als antirassistische Feministin und sieht sich in der Tradition sozialistischer Feministinnen und feministischer Theorien des ‚Globalen Südens‘ verwurzelt. (…). In ihren Texten analysiert sie die verschränkten Machtrelationen von Kolonialismus, Rasse, Klasse und Geschlecht. ‚Dekolonisierung‘, das heißt die kritische Auseinandersetzung mit dem kolonialen Erbe auf allen Ebenen ist für sie eine vorrangige, wissenscha­ftliche und zugleich politische Frage, die zeigt, wie der Reichtum Weniger mit der Armut Vieler zusammenhängt.“ – Cornelia Goethe Centrum

“I would like to suggest that the feminist writings I analyze here discursively colonize the material and historical heterogeneities of the lives of women in the third world, thereby producing re-presenting a composite, singular “Third World Woman”- an image which appears arbitrarily constructed, but nevertheless carries with it the authorizing signature of Western humanist discourse. I argue that assumptions of privilege and ethnocentric universality on the one hand, and inadequate self-consciousness about the effect of Western scholarship on the “third world” in the context of a world system dominated by the West on the other, characterize a sizable extent of Western feminist work on women in the third world.”

Chandra Talpade Mohanty, Under Western Eyes: Feminist Scholarship and Colonial Discourses

Sara Ahmed

We might have to use different methods to get the message out, to counter the state’s story with stories of the injustice, say, of anti-immigrant violence, Islamophobia, anti-Black racism and persistent colonial violence against Indigenous communities. We need to keep doing the work. Work where you are. Don’t let the problem appear only “there;” it is here. Speak out from where you are. Do what you can, given your own resources and capacities. Work with people who get you. Talk. Shout. Be.

Sara Ahmed, Interview

Sara Ahmed schreibt über sich selbst: “I am a feminist writer and independent scholar. I work at the intersection of feminist, queer and race studies. My research is concerned with how bodies and worlds take shape; and how power is secured and challenged in everyday life worlds as well as institutional cultures.”  Sie forscht zum Beispiel zu „Mixed Orientations“ (2014) oder „Embodying Diversity: Problems and Paradoxes for Black Feminists“ (2019). Bis 2016 war sie Professorin für Race and Cultural Studies an der University of London, bis sie aus Protest kündigte, weil Vorfälle von sexueller Gewalt nicht richtig aufgearbeitet wurden.  

Titelbild CC:
Alice Bah Kuhne – Kristian Pohl, Wiki Commons
Gayatri Spivak – Rosa Luxemburg Stiftung, Flickr
Katharina Oguntoye – Heinrich Böll Stiftung, Flickr
Sara Ahmed – Rama, Wiki Commons

European Colonial History: A matter of European values

European Colonialism has fundamentally shaped the world we live in today. In some countries this legacy is more present than in others. In the context of Black History Month we interviewed Gert Oostindie, Professor of Colonial and Postcolonial History at Leiden University, on a European perspective on Colonialism and its impact today.

About Gert Oostindie

Prof. Dr. Gert Oostindie is director of KITLV/Royal Netherlands Institute of Southeast Asian and Caribbean Studies (KITLV-KNAW), and Professor of Colonial and Postcolonial History at Leiden University. His main research covers slavery, ethnicity, decolonisation, postcolonial migrations, and the role of colonial history on the Dutch and European identities. This interview was partly based on his book Postcolonial Netherlands. Sixty-five years of forgetting, commemorating, silencing, and his article “Public Memories of the Atlantic Slave trade and slavery in contemporary Europe”.


How do European Countries handle their colonial past?

Within Europe there is a group of countries that had colonial pasts and a group that has not. States with colonial pasts have different ways to come to terms with it. Talking about slavery and slave trade, the three countries most involved in north-western Europe (UK, France, Netherlands) have tried to come to terms with it over the past decades. They talked about it, expressed remorse, built monuments, and seek collaborations. This is not so much the case in Spain and Portugal, two countries also heavily involved in slave trade and slavery. They have another way of national history making which is in that sense less self-critical, but deals mainly with their more recent past, for example the civil war in Spain, the Franco and Salazar regimes. Another fact is that France, UK, and the Netherlands have considerably larger Afro-Caribbean communities who put it on the political agenda.

Talking about other European countries with colonial pasts, Germany has a much shorter, but violent colonial history particular in Africa, and there is also awareness which is growing. Smaller countries in the sense of smaller population such as Denmark having been involved in colonial activity also start to face it. Italy is rediscovering some of its colonial history in Northern Africa.

“When talking about European values today it is important to reflect on where they come from and confront out ideals with our practices in the past.”

Gert Oostindie

Eastern European countries do not share that history but rather one of being colonialised. Some of them were part of the Austrian-Hungarian empire, were colonised by either Germany or Russia in the 20th century in and after the two World Wars. They finally got independent but that is their past about which they worry, and it is painful to come to terms with that. It is understandable for these countries to reflect on their more recent pasts rather than thinking about colonialism somewhere else. 

But if you are a part of Europe than the colonial past is part of your European history. European Union is a union of interests, but also claims to be a community of values. When talking about European values today it is important to reflect on where they come from and confront out ideals with our practices in the past.

How does the European Union handle the European colonial past? Is there any attempt to create a common memory of European colonial history?

I am not aware of it. Considering the significance of the colonial past also for today, the remembrance has been mainly divided. It is mainly done on a national, not on a supernational level. I was just invited last week by the European parliament to give a keynote lecture at a session about European colonial past on the International Day of Remembrance of Slavery this year in December. This shows a growing awareness and interest. I also said to myself that this is a good opportunity to put this on the agenda.

Because this is important for all of Europe, also for the countries which were not directly involved: it says something about European values, values we nurture. It is not about saying that I or you were personally responsible, but that we are part of Europe and this is a part of European history and therefore it is important to reflect on it. 

Why is the reappraisal of the colonial past so different in European countries?

This depends on different conditions:

1. Where is your own history located?

If you have countries with no colonial past at all, then there is no talk because it happened somewhere else. For example, in south-east Europe, the Ottoman Empire was close, and the Turks were considered a menace. There are centuries of history of Christian-Muslims encounters, so they feel that this is the part of their history. In north-west Europe that is no part of common memory.

2. If you have a colonial history, do you have postcolonial communities reminding you of that history? And if they do, how do they remind you?

If you have a considerable postcolonial community in your country, then this community will influence how the country reflects the past. If countries do not have the communities than the impact is missing. An example for that is France with large postcolonial communities and the Iberian countries (Portugal and Spain) who do not.

Then again in France, there is a considerably large community of white people returning from Algeria. That is a group in which large parts were angry about the loss of the empire. Another example were the repatriates in the Netherlands from the Dutch East Indies who were themselves part of the colonial system. That is not a group which is necessarily critical about colonialism, whereas people who descended from enslaved Africans generally are.  

3. Is a nation-state willing to face up the negative side of its own history?

I would say that the importance to reflect on our colonial past lies in contrasting what we feel should be constitutive ideas about European community which is about European values and confronting them with our practices over the last centuries.

But these things do not come by themselves. It also takes political leaders who are willing and able to get the topic on the agenda and say why it is important. I would say that the importance to reflect on our colonial past lies in contrasting what we feel should be constitutive ideas about European community which is about European values and confronting them with our practices over the last centuries.

In the debates in the Netherlands, I often state that this is not about saying that we are ‘bad people’. The point is that you should reflect in literally terms on your past sins to hope to learn something for the future.”

Where do you see need for action of the European Union?

1. More awareness should be raised within European Union.

That means taking on board that we should be very critical of our own traditions and to speak out for a broader recognition of our colonial past.

This can be done on the national level for example through in-depth education, building monuments, hosting debates. On European level we can create more spaces and room for these issues in which we can speak about European controversies. In these debates, it would be important to connect it to racism as a legacy of colonialism.  

2. Contemporary European politics should start by listening rather than imposing their ideas on former colonies.

What colonialism has meant in territories being colonialised is a different question and it is difficult to make general statements about it.

Many of these territories suffer today from climate change and request climate justice. They did not cause all of these problems, but they suffer from that.

If we look about the most pressing problems today, climate change is on top of the agenda. On the one hand, it is good to be aware that climate change really accelerated because of colonisation and hence in colonial territories. Many of these territories suffer today from climate change and request climate justice. They did not cause all of these problems, but they suffer from that. A part of it has to do with colonialism and a part of it has not. But it is important to be aware of our colonial history and of the responsibilities arising from it.

On the other hand, many former colonies are not interested in being seen primarily as a former colony. An example is Indonesia, a former Dutch colony, which is little interested in talking about colonialism with the Netherlands all over again and which does not view the Netherlands as a very important country today.

There is always the risk when you talk about making amends or ‘doing good’ that the question whether the former colony is interested or not is overlooked. That is why it is more important to listen than to impose our ideas on former colonies.

Quizevent: Europäische Kolonialgeschichte

Die JEF NRW und JEF Bremen laden Dich am 18.02. um 19 Uhr zu einem geschichtlichen PubQuiz ein! Wie steht es um dein Wissen zur europäischen Kolonialgeschichte? Eher so mittelprächtig? Damit bist du bestimmt nicht alleine, denn in der Schule und in der Gesellschaft wird das Thema nicht so häufig thematisiert. Deshalb: Mach mit, rätsel, rate und bilde dich weiter bei einem geselligen Abend im Online-Pubquiz.
Wir stellen Fragen zur europäischen Kolonialzeit, das ist vor allem wichtig zu wissen, da es bis heute Strukturen in unserer Gesellschaft gibt, die aus dieser Zeit resultieren. Nicht zuletzt auch Rassistische.
Wir freuen uns auf euch.Join Zoom Meeting
https://us02web.zoom.us/j/88235101965
Meeting ID: 882 3510 1965